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Gepostet on Nov 5, 2020 in Allgemeine Themen | 2 Kommentare

Blinde und ihr gutes Gedächtnis

Blinde und ihr gutes Gedächtnis

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Was ist dran am gutem Gedächtnis von blinden Menschen? Ist überhaupt was dran? Immer wieder in meinem Alltag werde ich auf dieses Thema angesprochen. Darum möchte ich heute ein paar Antworten dazu geben. Zudem bekommst du ganz nebenbei noch ein paar Tipps, deine Merkfähigkeit zu verbessern. 😉

Dein Gedächtnis möchte ich haben!

Immer wieder im Alltag höre ich Aussagen wie: „Toll was Sie sich alles merken können“, oder „Dein Gedächtnis möchte ich haben!“ Das freut mich natürlich. Andererseits, so besonders wie das manchmal scheint ist das auch wieder nicht. Zumindest gibt es dafür gute Gründe. 

Sicherlich, ich und viele andere blinde Menschen können oder besser müssen uns viel Merken. Vielleicht bis du auch beeindruckt, wenn ich dir erzähle: fast alle Nebenstellen und sonstige Telefonnummern an meinem Arbeitsplatz kenne ich auswendig. Als Telefonist ist das nun keine Besonderheit. Im Gegenteil, es ist eher eine Notwendigkeit! Schließlich hat der Kunde nicht Zeit zu warten bis ich die Auskunft im Telefonverzeichnis nachschlage. 

Das Gedächtnis hilft beim Tippen auf der Tastatur.

Ähnlich verhält es sich mit der Bedienung meines Computers und der Tastatur. Da ernte ich auch gern mal bewundernde Blicke. Dabei unterscheide ich nich nicht von sehenden Schreibkräften. Diese können ebenfalls zügig schreiben ohne ständig auf die Tastatur zu blicken.

Der einzige Unterschied: Ich kann keinen Kontrollblick machen und muss deshalb stets wissen wo sich die Tasten befinden. Kniffliger wird es da beim Bedienen des Betriebssystems oder der Programme. Hier ist durchaus Merkfähigkeit gefragt. Ich sollte schon die Strukturen und den Aufbau des Bildschirms kennen.

Darüber hinaus gilt es die Schaltflächen, ihre Funktion und diverse Kurztasten und ihre Befehle zu wissen. Mit anderen Worten, dass was der Sehende am Bildschirm erkennen kann, muss ich mir im Gedächtnis abspeichern. 

Das „alltägliche“ Gedächtnistraining 

Und so ist es mit vielen Dingen in meinem Alltag. Alles was ein Sehender oft mit einem Blick erfasst muss ich mir mühselig einprägen. Damit meine ich Hindernisse und markante Punkte auf meinem Wegen. Stimmen und die dazugehörigen Namen. Wie auch immer, ich muss diese Informationen im Gedächtnis behalten. Ansonsten könnte es für mich nervenaufreibend oder sogar gefährlich werden. Folglich habe ich meistens keine Lust auf lange Suchaktionen oder ähnliches! 

Gutes Gedächtnis dank einfacher Methoden 

Für ein gutes Gedächtnis ist übrigens oft gar nicht soviel nötig. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Nicht nur als blinder Mensch, sondern vielmehr als ehemaliger Gedächtnistrainer.

Möglicherweise erzähle ich dir hier nichts neues. Im Grunde braucht es nur ein paar Dinge und ein bisschen Methode. Folgende Punkte sind die Grundvoraussetzung für ein gutes Gedächtnis:

1. Du brauchst einen Anlass, eine Motivation. 

Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn etwas zu lernen oder sich zu merken, wofür man keinen Anlass oder keine Verwendung hat. Niemand würde die Punktschrift erlernen, wenn sie nicht notwendig ist. Hingegen war ich als Blinder hochmotiviert diese Schrift zu lernen. Ansonsten könnte ich meinen Arbeitsalltag nicht bewältigen. 

2. Mache Dinge bewusst und aufmerksam.

Nur was wir konzentriert machen, daran können wir uns auch gut erinnern. Egal ob wir den Herd ausschalten oder den Schlüssel ins Kästchen hängen. Wir sollten alles was wir tun bewusst machen. So werden wir später nicht fragend zurückblicken. Schließlich haben wir die Handlung bildhaft in unserer Erinnerung abgespeichert. 

3. Wiederholung ist der Schlüssel zum Erfolg!

Sicherlich es gibt auch Techniken damit wir uns Dinge leichter einprägen können. Zum Beispiel, das Visualisieren oder einfach nur die sogenannten „Eselsbrücken“. Ohne Wiederholungen funktionieren diese allerdings auch nur bedingt. Im Grunde ist es ganz einfach! Je öfter du etwas wiederholst, umso besser prägt es sich in deinem Gedächtnis ein. 

So wird in unserem Gehirn, aus einem anfänglichen „Trampelpfad“ irgendwann einmal eine Straße und daraus eine „Autobahn“. Diese Autobahn bleibt lange erhalten und führt auch schnell zum Ziel! 😉 

Dabei geht es um die Dinge die wir inzwischen ganz selbstverständlich anwenden. Genau dieser Methode bedienen sich blinde Menschen um sich den Alltag zu erleichtern.

Weitere Faktoren:

Wichtig ist natürlich Ordnung und Struktur. Deshalb haben die meisten Dinge bei mir einen eigenen Platz im Raum. Zudem genau dort wo sie auch gebraucht werden. Hilfreich kann auch die Visualisierung, also die innere Vorstellungskraft, wie bereits oben erwähnt sein. 

Um mir Dinge einzuprägen wende ich eine vielleicht etwas „merkwürdig“ klingende Taktik an. Steht Herr Steinbrück, den ich gerade eben kennenlerne vor mir, stelle ich ihn mir auf einer steinernen Brücke vor. Es gibt noch jede Menge Tricks wie du dein Gedächnis trainieren kannst. Wenn du dich für das Thema Gedächtnis und Gedächtnistraining interessierst, dann kann ich dir den Blog von: Luise Maria Sommer ans Herz legen.  

Luise Maria Sommer ist ehemalige Gedächtnisweltmeisterin. Wie gut das sie ihr umfangreiches Wissen auf ihrer Website mit uns teilt. Ihre Tipps sind interessant, immer gut verständlich und leicht umsetzbar. 

Interessant ist auch ihr neuestes Projekt. Seit kurzem hat sie ihren eigenen Podcast ins Leben gerufen. Auch hier gibt sie wieder auf sehr sympathische und „merkwürdige“ Weise ihr Wissen weiter. Mehr erfährst du auf Gedächtnis Geflüster

Der Name ist der Knaller oder? Ich für meinen Teil hab jedenfalls sehr geschmunzelt als ich davon erfuhr! In diesem Sinne wünsche ich dir: Viel Spaß beim Lernen und erinnern! 😉 

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2 Kommentare

  1. Wow cool!
    Danke für die Tipps bzw die Erinnerung daran.

    Herzliche Grüße, Eva

    • Liebe Eva, schön das dir mein Beitrag gefällt. Vielen Dank für dein Lob! Liebe Grüße David 🙂

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