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Gepostet on Apr 20, 2019 in Allgemeine Themen, Dies und Das | 4 Kommentare

Teil drei: Buchvorstellung: Blind – Freundschaft mit der Dunkelheit!

Teil drei: Buchvorstellung: Blind – Freundschaft mit der Dunkelheit!

So, nun also zum dritten und letzten Teil der buchvorstellung: Blind – Freundschaft mit der Dunkelheit, und der Werbung in eigener Sache. Hier also noch eine kleine Leseprobe zum Buch, damit du noch einen besseren Eindruck bekommst. Wir steigen auch gleich in den Text ein. 

Textausschnitt: Abenteuer Bahnfahrt 

Endlich! Eine freundliche Stimme stellt sich als Service-Personal vor und es kann weitergehen. Der Herzschlag des blinden Fahrgastes beruhigt sich wieder. Heute klappt alles wie am Schnürchen. Der Abenteurer mit dem Rucksack und dem weißen Stock sitzt nach fünfzehn Minuten im nächsten Zug und atmet erleichtert auf. Gott sei Dank nur noch einmal umsteigen und eine Stunde später wartet der Zielbahnhof. Ein fremder Reisender fragt ihn: „Funktioniert der Service der Bahn beim Umsteigen immer reibungslos?“

„In den meisten Fällen geht das gut. Aber während meiner letzten Reise gab es einen Stellwerkausfall. Der Zug konnte nicht wie geplant weiterfahren. Die Bahn bot einen Schienenersatzverkehr an und alle Fahrgäste stürmten aufgeregt aus dem Waggon. Es wurde über die unzuverlässige Bahn geflucht und geschimpft. Alle hatten wichtige Termine. Jeder Zweite telefonierte mit seinem Smartphone. Die Rolltreppe war verstopft. Ich konnte mich in diesem Durcheinander nicht sogleich bemerkbar machen. Mein Stock stieß permanent an herumstehende Gepäckstücke. Als die meisten Drängler die Treppe passiert hatten, erbarmte sich eine

ältere Dame und begleitete mich zum Bahnbus. Während der Busfahrt telefonierte ich mit dem Bahnservice, um wenigstens am nächsten Bahnhof auf den Mobilitätsservice zu treffen. Meine Odyssee endete mit mehreren Stunden Verspätung. Solche Extratouren kosten Nerven.“

Während der Erzählung ist es im Abteil still geworden. Mancher Zuhörer hat bei diesen Worten eine Gänsehaut bekommen und flüchtet mit seinem Blick aus dem Zugfenster. Wälder, Felder, Wiesen und Siedlungen ziehen vorbei. Der Blinde bekommt davon nichts mit. Er genießt während der Fahrt die Musik seines MP3-Players oder hört Radio. Kurzfristig ändert sich das Rattern der Zugräder. Das verrät ihm, dass gerade eine Eisenbahnbrücke passiert wird. Überquert diese einen Fluss, eine Straße oder ein anderes Gleis? Wer weiß, wer weiß?

Der Zug rollt in den Hauptbahnhof ein. Der blinde Autor verabschiedet sich von den übrigen Reisenden. Er schultert den Rucksack. Rucksäcke haben im Gegensatz zu Taschen und Koffern den Vorteil, dass der Blinde immer eine Hand für seinen Taststock zur Verfügung hat und die andere Hand Geländer und Handläufe nutzen kann. So tastet er sich zur Ausgangstür vor. Unzählige Stimmen sind auf dem Bahnsteig zu hören. Es wird gesungen, gelacht, gepfiffen, gerufen. Alle Durchsagen hallen als Echo. Irgendwo quietscht eine Zugbremse. In den gespitzten Ohren des Blinden reizt dieses Geräusch wie Kreide auf einer trockenen Tafel. Techno-Rhythmen stampfen aus einer tragbaren Musikanlage und wirken wie der drohende Paukenschlag des Sklaventreibers einer Galeere.

Heute scheint in dieser Stadt ein Fußballspiel stattzufinden.

Die Fans rufen ihre Parolen, schmettern ihre Vereinslieder. Der Blinde steht mit seinem weißen Stock auf dem Bahnsteig. Er wartet, wartet und wartet. Wo bleibt nur der bestellte Service?

Der Blinde fragt in die laute Umgebung hinein, ob ihm jemand helfen könne. Nichts. Er versucht es auf Englisch. Nichts geschieht. Endlich wird er angesprochen. Aber immer wieder sind das fremdländische Stimmen und die Verständigung ist schwierig. Er greift zum Smartphone, das über eine Sprachausgabe verfügt. Doch bei diesem Lärm ist nichts zu verstehen.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragt plötzlich jemand und legt dem verwaisten Fahrgast behutsam eine Hand auf die Schulter.

„Ja, mein bestellter Mobilitätsservice der Bahn ist bis jetzt nicht gekommen. Es ist auch so laut, dass ich nicht telefonieren kann.“

„Wo müssen Sie denn hin?“

„Ich bin schon am Zielbahnhof. Ab hier muss ich mit dem Taxi weiter.“

„Ich bringe Sie zum Taxistand.“

Der freundliche Helfer lässt sich von dem Blinden an den Ellenbogen fassen und dann geht es los. Vor dem Bahnhof ist der Lärm nicht mehr so erdrückend. Der blinde Abenteurer fragt seinen Helfer: „Wo müssen Sie denn hin?“

„Ich muss mit dem Zug weiter, aus dem Sie ausgestiegen sind.“

Dem Blinden fährt es in alle Glieder und er ruft: „Um Gottes willen, dann verpassen Sie wegen mir soeben Ihren Zug!“ „Das glaube ich nicht. Sie können sich beruhigen. Ich bin der Lokführer.“

Der blinde Autor sitzt im Taxi und weiß, dass seine Reise nun glücklich ausgeht. Und er weiß, worüber er nun einen neuen Roman schreiben wird …

Nachwort:

Das also soll es für diesmal gewesen sein. Ich hoffe ich konnte dir ein wenig Appetit machen. Ich finde wirklich dieses Buch ist sehr gelungen, und das sage ich nicht nur weil ich daran habe mitwirken dürfen. Es ist auf jeden Fall für alle gedacht, die sich für das Thema Blindheit interessieren und Freude an informativer, spannender, aber auch humorvoller Unterhaltung haben! In diesem Sinne gute Unterhaltung! 🙂 

Zum Weiterlesen:

Dieter Kleffner:  https://www.dieterkleffner.de

Edition Paashaas Verlag:https://www.verlag-epv.de/index.php?id=24

Arbeitskreis blinder Autoren: http://www.blautor.de

Teil eins:  http://blindgefluester.de/buchvorstellung-blind-freundschaft-mit-der-dunkelheit/

Teil zwei:  http://blindgefluester.de/teil-zwei-buchvorstellung-blind-freundschaft-mit-der-dunkelheit/

4 Kommentare

  1. Hallo David, Hallo Dieter,
    Ich habe mittlerweile das Buch „im Testprogramm des Schicksals“ gelesen.

    Sehr bewegend. Und ich fand es macht trotz allem was du, Dieter erlebt hast, Mut.

    Herzliche Grüße und alles Gute, Eva

    • Liebe Eva, vielen Dank für deinen Kommentar, die Grüße werde ich gern weiterleiten!
      Libe Grüße David

  2. Hallo David, Hallo Dieter,

    Das Gefühl „sitzen gelassen zu werden“ oder übersehen zu werden ist erschreckend und löst Hilflosigkeit aus.

    Trotzdem schaffst du es noch an andere zu denken!

    Du schreibst so mitreißend, ich hatte direkt Herzklopfen in der Sorge um Dich.

    Ich ärgere mich öfter über die unverständliche Informationen – über Zugverspätungen, geänderte Gleise oder ähnliches.

    Die Lautsprecherdurchsagen sind für mich komplett unverständlich, manchmal höre ich nicht mal das etwas gesagt wurde. Und kann dann nur jemanden suchen der hilft und mir die Ansage wiederholt.

    Barrierefreiheit ist nicht nur eine Frage der Technik sondern vor allem der Menschlichkeit!

    Der Buchausschnitt rüttelt auf auch bei aller Hektik nach links und rechts zu schauen und ein bisschen auf den Nächsten zu achten.

    Jeder von uns kann mal auf Hilfe angewiesen sein!

    Herzliche Grüße, Eva Weiß

    • Liebe Eva, vielen Dank für deinen tollen Kommentar! Und deinen Apell kann ich nur unterstreichen, es kommt mehr auf die Mitmenschichkeit, als auf die Technik an. Die Technik kann versagen, das Schauen auf den Anderen sollte das nicht! Herzliche Grüße David

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