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Meine ersten Schritte als Blinder

Zum Einstieg möchte ich über die Anfangszeit nach meinem Unfall, wodurch ich erblindete, erzählen. Du wirst mich vielleicht für verrückt erklären, doch damals, vor mehr als 18 Jahren, hatte ich auch Glück im Unglück. Glück, weil ich durchaus mein Leben hätte verlieren können und nur zum Blinden wurde.

Mein Kiefer war gebrochen und musste verdrahtet werden, beide Unterarme gebrochen und mit Platten verschraubt, mein linker Arm in Gips und JA ich verlor auch noch mein Augenlicht und war plötzlicher ein Blinder. Mit anderen Worten, die Blindheit war nicht mein einziges und vorrangiges Problem – jedenfalls zu Beginn. Ich war einfach körperlich stark gehandicapt, auf gut Deutsch: im Eimer gewesen. Klingt makaber, aber ich sehe das so.

Zuerst musste ich mich erst einmal darum kümmern überhaupt wieder gesund zu werden. Um die Tatsache ein Blinder zu sein konnte ich mich später immer noch kümmern, so dachte ich jedenfalls. Trotzdem waren ganz normale Dinge wie Essen, Toilette und Anziehen plötzlich ein Riesenproblem. Zum Glück gab es Flüssignahrung und Freiwillige die mich zur Toilette führten oder beim Anziehen halfen. Meine körperliche Genesung hatte oberste Priorität und alles in allem lenkte mich das auch ein wenig von der Blindheit ab. Vielleicht klingt das alles sehr nüchtern, doch du kannst mir glauben: In dieser Zeit haderte ich sehr mit meinem Schicksal.

<h2>Als Blinder beginnst du von vorn.</h2>

Es hat lange gedauert bis ich meine Blindheit akzeptieren konnte und den Mut fand mein Leben NEU anzupacken. Nach dem Krankenhausaufenthalt wieder zu Hause anzukommen war zunächst toll, doch damit eröffneten sich auch neue Schwierigkeiten. In den ersten Wochen und Monaten als Blinder gab es viele Situationen und Momente die sich tief in meine Erinnerung einbrannten. Manches davon klingt banal: Zähneputzen! Kaum zu glauben oder? Aber so ist es. In diesem Moment als ich, nach langer Zeit, wieder selbstständig versuchte mir die Zähne zu putzen, wurde mir noch einmal besonders deutlich, wie viel ich noch zu lernen hatte. Wie bekomm ich die Zahnpasta auf die Zahnbürste? Du glaubst mir nicht? Dann wäre das ein guter Moment für einen Selbstversuch. Probier es einfach einmal selbst aus. (Ich warte so lange:-))

Falls du nicht länger warten willst: Ich musste mir einen Kniff einfallen lassen. Denn wenn man die Bürste, wie gewohnt, hinten am Griff hält und die Tube, damals eine die man zusammenquetschen musste, ebenfalls am hinteren Ende nimmt, klappt das nicht so gut. Wie weiß ich als Blinder wo der Bürstenkopf anfängt und der Auslass der Paste beginnt? Also kam ich zu dem Schluss, Bürste und Tube am Kopf zu nehmen, so kann man fühlen wo die Zahnpasta aufzutragen ist.

Mittlerweile bin ich schlauer und benutze Zahnpasta aus einem Spender. Falls du dich schon mal hilflos fühltest (weil körperlich gehandicapt) kennst du diese Situation. Es sind meist die einfachen und banalen Dinge die einem das Leben schwer machen können. Und genau das bereitete mir damals Sorgen. Denn nun hieß es: Ich bin ein Blinder und muss alles nochmal lernen, beziehungsweise mir für viele Dinge neue Strategien einfallen lassen. 🙁 😉