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Gepostet on Apr 7, 2019 in Allgemeine Themen, Dies und Das | 2 Kommentare

Buchvorstellung: Blind – Freundschaft mit der Dunkelheit!

Buchvorstellung: Blind – Freundschaft mit der Dunkelheit!

Heute einmal ein bisschen Werbung in eigener Sache, ich möchte dir gern das neue Buch von Dieter Kleffner vorstellen. In eigener Sache deshalb, weil ich als Gastautor zwei Artikel habe beisteuern dürfen. Aus Platzgründen habe ich diesen Beitrag in drei Teile aufgegliedert. Hier liest du als erstes das Interview, dass ich mit Dieter geführt habe. Im Anschluss folgt die offizielle Buchvorstellung, und den Abschluss bildet eine kleine Leseprobe. ☺ 

Buchvorstellung, soviel vorab:

Bevor wir in das Interview einsteigen, hier noch ein paar Anmerkungen vorab. Dieter und ich haben uns über den Arbeitskreis blinder und sehbehinderter Autoren: BLAutor, kennengelernt. Inzwischen sind wir gute Freunde und tauschen uns in vielerlei dingen aus. Und das führte auch dazu, dass ich an seinem neuem Buch mitwirken durfte. 

Das allein wäre schon Grund genug darüber zu berichten, doch ist dieses Buch auch in weiterer Hinsicht besonders. Denn, es behandelt Blindheit in all seinen Facetten. Besser gesagt ist es ein Kaleidoskop aus informativen, unterhaltsamen und humorvollen Texten geworden. Alles weitere nun aber im Interview. 🙂 

Interview zum Buch: 

Lieber Dieter, bevor wir auf dein neues Buch zu sprechen kommen, wollte ich dich gern noch kurz vorstellen. Du bist zwar kein ganz unbekannter auf meiner Seite, schließlich habe ich dich bereits zu meinem Beitrag: http://blindgefluester.de/ist-das-leben-ein-testprogramm/ zu Wort kommen lassen. Trotzdem wäre es toll, wenn du dich noch einmal kurz  persönlich vorstellen würdest. 

Ich wurde 1957 in der Stadt Essen in NRW mit einem Grünen Star geboren und bereits im Säuglingsalter an beiden Augen operiert. Als Sehbehinderter absolvierte ich in Mainz das Staatsexamen zum Masseur und med. Bademeister. Nach vierzehn Augenoperationen trat die völlige Erblindung ein. Ich arbeitete über dreißig Jahre in der klinischen Physiotherapie. Ich lebe in Hattingen, bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Seit über zehn Jahren bin ich Autor aus Leidenschaft. 

Ja, dass merkt man deinen Texten auch an. Wie bist du eigentlich  zum Schreiben gekommen? Gab es irgendeinen Besonderen Auslöser? 

Freunde hatten mir geraten: „Wer nach zwölf Augenoperationen erblindet ist, nach zwei Krebserkrankungen einen Arbeitsplatz in der Physiotherapie aufgeben musste und seinen Humor dann immer noch nicht verloren hat, der muss ein Buch darüber schreiben.“ 

Das Erstellen einer Autobiografie erfordert, dass man die Erlebnisse seines Lebens betrachtet, überdenkt und ordnet. So ordnete ich  auch meine Gefühlswelt. Jede Anekdote wurde eine kleine Geschichte für sich. Mehr und mehr wuchs die Liebe zum Schreiben. 

Tja, und aus diesen Anekdoten wurde dann wie oben schon einmal erwähnt dein Buch: Im Testprogramm des Schicksals. Eine wie ich finde sehr anschauliche Autobiographie. Aber Schreiben war ja nicht immer dein Lebensinhalt, oder? Welchen Hobbys frönst du denn außerhalb deiner Zeit am Schreibtisch? 

Ich musste auf Wunsch meiner Eltern als Zehnjähriger Klavierunterricht nehmen. Das Üben klassischer Stücke machte überhaupt keinen Spaß, Obgleich ich ein reales Musikgehör habe und auch das Talent zum Improvisieren. Ich war an Schlager interessiert, mein Musiklehrer aber nicht. Mit fünfzehn kaufte ich mir eine Gitarre und schaute die erste Spieltechnik bei den Lagerfeuer-Gitarristen ab. Mit dreißig traf ich auf einen Keyboarder, der auch gut improvisieren konnte. So gründeten wir die Band „Die Zweitakter“ und spielten Country-Musik und Pop. Die Auftritte vor Publikum stabilisierten mein  Selbstwertgefühl, das aufgrund ständig sinkender Sehkraft oft ins Wanken geriet. So erfuhr ich als hochgradig Sehbehinderter und auch als blinder Musiker aufbauende Anerkennung.

Mit Ende vierzig verließen wir die Bühne, da der volle Einsatz im Beruf plus die vielen Wochenendauftritte physisch wie psychisch  zu belastend wurde. Heute spiele ich jede Woche zusammen mit einem Mandolinen-Spieler rein instrumental. Alles ohne aufwendige Technik und ohne terminliche Verpflichtung. Klar – für Freunde greifen wir während einer Feier immer noch gerne mal in die Seiten. Das Spielen eines Instruments dient auch meiner Meditation. Spielen entsorgt die Sorgen. 

Ja, dass kann ich mir gut vorstellen. Ich hab ja leider nie ein Instrument gelernt, mich aber einmal an der Trompete versucht. Das war toll, und ich kann dich da gut verstehen. Leider fehlte mir da die Zeit und jemand der mir Unterricht hätte geben können. Apropos Sorgen entsorgen, bestimmt verwendest du auch Hilfsmittel um dir deinen Alltag zu erleichtern. Was davon schätzt du am meisten, was ist dir auch für deine Arbeit als Schriftsteller nützlich? 

Ohne die heutige Computertechnik wäre ich sicher kein Autor geworden. Das Sprachprogramm für Blinde, das mir nach Bedarf Buchstaben, Worte, Sätze und ganze Dokumente vorliest, ermöglicht ja nicht nur das Verfassen eigener Texte, sondern es ermöglicht den Zugang in viele Bereiche des Internets. So sind  weitreichende Recherchen möglich, ohne die ich als Autor nicht arbeiten könnte. Auch das Smartphone bietet mittlerweile erstaunlich viele Applikationen, mit denen Sehbehinderte neben der Kommunikation mit Telefon und Mail auch E-Books lesen und Hörbücher hören können. Das Smartphone dient geschulten Sehbehinderten als Navigationsgerät, zur Text und Bilderkennung. Die Liste der hilfreichen Möglichkeiten sprengt hier den Rahmen. 

Da kann ich dir nur beipflichten, auch für mich ist das Smartphone inzwischen ein Hilfsmittel für sich. 

Nun möchte ich aber auf dein neuestes Werk zu sprechen kommen. Dieses Buch ist ja auf eine gewisse Art recht ungewöhnlich, um nicht zu sagen einzigartig. Wie bist du denn auf dieses Konzept gekommen, einen bunten Mix an Geschichten und Themen darin zu vereinen? 

Nun, ich habe bereits fünf Bücher veröffentlicht, die sich über die Genre Biografie, Gesellschaftsroman bis zum Thriller erstreckten. Mir ist es wichtig, dass der Leser sich in jedem meiner Genre gut informiert und unterhalten fühlt. Im Konzept des neuen Werkes stecken leicht verständliches Sachwissen, lebendig erzählte Anekdoten sehbehinderter Menschen, ein Schuss Humor und Abenteuer. 

Ich denke, dass ist dir gut gelungen. Was hat dich dazu bewogen Gastautoren mit ins Boot zu holen? 

Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung lebhaft berichten. Karin Klasen kämpft noch um den Erhalt ihrer letzten Sehnervenzellen. Sie muss die Verlustangst bewältigen, die ich mittlerweile abgelegt habe. David, du hattest gar keine Zeit dir Gedanken über eine schleichende Erblindung zu machen. Das Schicksal hat dich aufgrund deines Unfalls von jetzt auf gleich in eine völlig andere Lebenssituation katapultiert. Solche Gefühle berichtet jeder Betroffene viel authentischer, wenn er selbst darüber schreibt. Diese Gastautoren geben dem Buch einen viel größeren Rahmen zum Thema Sehbehinderungen, als ich das alleine könnte. 

Nun, das leuchtet ein. Ganz davon abgesehen, dass ich mich  natürlich riesig über deine Anfrage gefreut habe! Doch wie schwer war es Deine Verlegerin von deiner Buch Idee und dem Konzept zu überzeugen? 

Die Verlegerin hatte selbst in anderer Weise große gesundheitliche Schwierigkeiten zu meistern. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit, sich für Kranke und Behinderte Menschen einzusetzen. Das heißt aber nicht, dass für dieses Buch die Messlatte des literarischen Anspruchs für sehbehinderte Autoren gesenkt würde. Es geht nur um den verlegerischen Mut, ein Buch zu fördern, das nicht zur leicht verkäuflichen Belletristik gehört. 

Na das ist doch mal eine tolle Einstellung. Und da seid ihr euch vielleicht recht ähnlich, oder? Zumindest sind Chancen, Vertrauen und Mut häufige Motive in deinen Romanen. gibt es eigentlich eine bestimmte Botschaft, die du in diesem Buch weitergeben möchtest? 

Dank steigender medizinischer Fortschritte in der Augenheilkunde sind die weißen Stöcke in allen Stadtbildern seltener geworden, als das vor fünfzig Jahren noch der Fall war. Früher gab es aufgrund der Kriegsblinden und des weit verbreiteten Grauen Stars in der Familie und Nachbarschaft sehbehinderte Personen. Mit diesen angemessen Umzugehen war Routine. Heute sind Sehbehinderte eher eine Attraktion. Dieses Buch soll informieren und Befremdung abbauen. Es soll Betroffenen und ihren Angehörigen Mut machen. 

Nun, da sprichst du mir aus der Seele, eine wichtige Sache wie ich finde. Das ist ja auch mit das Ziel meines Blogs, Barrieren in den Köpfen zu beseitigen. Zu guter Letzt, noch eine persönliche Frage: Gibt es  ein Lebensmotto  das dich im Alltag begleitet? 

Mein Credo ist das positive Denken. Aus jeder noch so furchtbaren Situation kann man immer das Beste Machen. Wer in einer ohnmächtigen Haltung erstarrt, der wird frustriert. Wer aktiv bleibt, verliert die Angst vor der Ohnmacht. Es gibt immer Möglichkeiten zur Veränderung. Auch wenn es nur winzige Schritte sind. 

Mein wichtigster Sinnspruch lautet: „Wer nichts ändern will sucht Gründe. Wer etwas ändern will, sucht Wege.“ 

Da ist wirklich was dran, besser hätte ich es nicht sagen können! 😉 Was für ein tolles Schlusswort, dem kann man glaube ich nichts mehr hinzufügen. Lieber Dieter, vielen Dank für dieses interessante Interview, und vielen Dank für deine ausführlichen Antworten. Nun wünsche ich dir noch viel Erfolg mit deinem neuem Buch, und gute Ideen für deine nächsten Buchprojekte. 

Auch dir, lieber David, danke ich herzlich für die Einladung zu einem Interview auf deinem so hilfreichen Blog. Wie gesagt, hat dein Beitrag im neuen Buch den Rahmen rund um das Thema Sehbehinderung bereichert. Dir und Karin Klasen besten Dank für eure Mitarbeit. 

 

Nachwort:

Soviel also zum Interview mit Dieter Kleffner zu seinem neuem Buch: Blind – Freundschaft mit der Dunkelheit! Dies war übrigens mein erstes Interview in dieser Form. Ich hoffe ich konnte damit ein wenig dein Interesse wecken und dich vielleicht zum Kauf animieren! 😉 

Weiterführende Informationen kannst du auch noch über Teil zwei und drei meines Beitrags erhalten, oder über die nachfolgenden Links: 

Zum Weiterlesen: 

Dieter Kleffner:  https://www.dieterkleffner.de

Edition Paashaas Verlag:https://www.verlag-epv.de/index.php?id=24

Arbeitskreis blinder Autoren: http://www.blautor.de 

Teil zwei:  http://blindgefluester.de/teil-zwei-buchvorstellung-blind-freundschaft-mit-der-dunkelheit/

Teil drei: http://blindgefluester.de/teil-drei-buchvorstellung-blind-freundschaft-mit-der-dunkelheit/

2 Kommentare

  1. Hallo lieber David, Hallo Dieter,
    Vielen Dank für den Buchtipp und das spannende Interview.

    Ich wünsche dir Dieter viel Erfolg und Freude mit weiteren Buchprojekten und werde deine Bücher gerne lesen.

    Und dir David weiterhin viel Spaß beim Schreiben deiner Beiträge und ich finde das Interview ist dir sehr gut gelungen – und ihr beide nehmt eure Leser mit ins Boot.

    Alles Gute Euch.

    Herzliche Grüße, Eva Weiß

    • Liebe Eva, vielen Dank für deinen netten Kommentar! Freut mich wenn dir unser Interview gefallen hat, und es uns gelungen ist, dich mit ins Boot zu nehmen. Danke auch für deine lieben Wünsche, auch dir alles Gute! Herzlichen Gruß David

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