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Gepostet on Jul 15, 2019 in Allgemeine Themen, Wissenswertes | Keine Kommentare

Bogenschießen, ein Sport für Blinde?

Bogenschießen, ein Sport für Blinde?

Sicherlich, Bogenschießen drängt sich nicht gerade als Sport für Blinde und Sehbehinderte auf, dennoch ist es möglich. Dies sollte ein Schnupperkurs, der vor einigen Wochen in Nürnberg stattfand, Zeigen. Leider konnte ich selbst an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen. Statt dessen hatte Eva, eine liebe Bekannte, sich auf dieses Abenteuer eingelassen, und berichtet uns von ihren Erlebnissen. ☺ 

Vorbemerkung: 

Heute gibt es wieder einmal einen Gastbeitrag. Diesmal von Eva, einer Lieben Bekannten, die ich beim Selbstverteidigungskurs in Augsburg kennengelernt hatte. Eingeladen hat erneut Armin, der blinde Kampfsportkünstler, der damals schon den besagten Kurs leitete. Ich wäre ja gern selbst hingegangen, war aber zeitlich verhindert. Statt dessen wird uns Eva, die an dieser Veranstaltung teilgenommen hatte, von ihren Erlebnissen berichten. ☺ 

Bogenschießen  für Blinde und Sehbehinderte, ein Erfahrungsbericht: 

Hallo miteinander, ich heiße Eva, bin 36 Jahre alt und hochgradig schwerhörig.

David hab ich vor ein paar Monaten bei einem Selbstverteidigungskurs im BBSB in Augsburg kennengelernt. Davon wurde hier schon berichtet: http://blindgefluester.de/ein-selbstverteidigungskurs-der-etwas-anderen-art/

Der Trainer von dem Kurs war der sehbehinderte Armin. 

Tja, Bogenschießen!

Als Jugendliche habe ich mal einen Film gesehen von einer Prinzessin die zur Krönungszeremonie einen brennenden Pfeil durch einen Ring schießen musste.

Welches junge Mädchen würde da nicht mitfiebern, vor allem wenn die Prinzessin ziemlich tollpatschig ist und nahezu den ganzen Film übt. Die Pfeile fliegen überall hin nur nicht Richtung Ziel? In eine Laterne, einen Autoreifen und dergleichen. 

Jedenfalls sah das Bogenschießen mega kompliziert aus und ich hatte den Eindruck, dass ist für die Zuschauer ein echt gefährlicher Sport.

Als mir Armin mal erzählte dass er Bogenschießen geht war meine Neugier geweckt. 

Zum einen, die Möglichkeit diesen „gefährlichen“ Sport selbst auszuprobieren, zum anderen – wie kann ein sehbehinderter Mensch überhaupt sicher schießen? 

In den Paralympics hatte ich mal gesehen wie die Sportler nach Gehör Zielen. Das muss wohl ein piepsendes Geräusch sein und je höher (oder schneller?) desto mehr Richtung Mittelpunkt ist das Gewehr ausgerichtet. 

So ging ich also mit ganz vielen Vorstellungen und ja, vielleicht auch Ängsten an das ganze heran – im Sinne von „das ist gefährlich“. 

Trotzdem, neugierig. Armin machte das ja schon länger. Von daher war ich zuversichtlich das es schon sicher genug ist und ich ja auch nicht alleine bin. 

Im BUMI – einer Begegnungs- und Freizeitstätte in Nürnberg war dann auch schon alles aufgebaut. 

Der Trainer hat mir und den anderen Neulingen erstmal die Handhabung des Bogens erklärt. 

Es gibt unterschiedliche Bögen für Rechts und Linkshänder. 

Als Rechtshänderin sollte ich den Bogen mit Links halten. Mich seitlich zum Ziel stellen, die Sehne durchziehen und dabei bitte noch auf die Wirbelsäule achten. Den Bogen nicht zu hoch halten, Sehne Richtung Kinn… Es fühlte sich ähnlich kompliziert an wie der Film vermuten ließ. 

Alle Schützen durften sich in einer Reihe aufstellen und auf eine Styroporplatte schließen die in 10 Metern Entfernung aufgestellt war. 

Auf der ca. ein Quadratmeter großen Platte waren unterschiedlich große Ziele aufgedruckt (Von ca. DinA4 bis Handgroß). 

Tja, was soll ich sagen – zumindest flogen die Pfeile nicht ins nächste Fenster. Die Platte hatte ich auch schon mal getroffen und war stolz wie Oskar. 

Gefährlich für die Mitmenschen war es definitiv nicht – nur ich würde jeder Frau raten ein Lederwams zu tragen – gewisse Körperteile kollidieren doch mit der Sehne. Alternativ gibt es natürlich die passende Schutzausrüstung. 

Nach ein paar Durchgängen haben die Schützen gewechselt. 

Jetzt kam Armin zum Schuss. 

Da der Trainer sich auch noch um andere Teilnehmer gekümmert hat habe ich versucht Armin beim Zielen zu assistieren. 

Seitlich zum Ziel stellen, Pfeil auf den Bogen spannen – bei Armin routinierte Handgriffe. Dann den Bogen in „allgemeine Zielrichtung halten“. Anhand der Einschätzung der Begleitung „Bogen runter, nein, noch mehr runter, mehr nach rechts“ irgendwann loslassen und dann auf das satte „Wusch“ Geräusch hören mit dem der Pfeil in die Styroporplatte eindringt. Das persönliche Ziel ist es zumindest die Platte zu treffen und nicht die dahinter hängenden Vorhang. 

Und ich glaube, Armin hat öfter getroffen als ich. Aber wir sind nicht im Wettkampf. 

Meine Sorge, dass jemand vor den Bogen läuft, völlig unbegründet. Alle stehen in einer Reihe und bevor die Pfeile wieder gemeinsam eingesammelt werden wird rückversichert das alle fertig sind. 

Mir hatte es sehr viel Spaß gemacht, auch als „Zielhilfe“.

Das Bogenschießen scheint sowohl als Konzentrationstraining, vielleicht auch Meditation wie auch Training für die Kraft in den Schultern und Koordination zu funktionieren.

Die blauen Flecken sind verheilt und die verspannten Schultern auch.

Auf zur nächsten Runde!

Schlussbemerkung: 

Nun, ich Hoffe du konntest einen guten Einblick zum Thema Bogenschießen für Blinde und Sehbehinderte bekommen. Eva möchte ich nochmals an dieser Stelle, für ihren tollen und sehr informativen Beitrag, ganz herzlich danken. Ich für meinen Teil konnte alles gut nachvollziehen, und fühlte mich wieder an alte Kindheitstage erinnert. Damals, als Robin Hood noch einer meiner Helden war! 😉 

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